Digitaler Wandel: Bildung mitten drin

Morgen beginnt in Berlin das 14. Internet Governance Forum der UNO. In der zweiten Wochenhälfte findet in Basel die erste Didacta Digital Swiss statt. Zur gleichen Zeit organisiert Opendata.ch Episode 01 der Open Hackdays Lucerne zum Thema Tourismus. Ein grosser Bogen von der Weltpolitik zum Tourismus, mitten drin die Bildung. Was soll das?

Die drei Zusammenkünfte haben mehr als bloss die Kalenderwoche 48 gemeinsam. An allen drei Orten ist der Umgang mit Daten ein inhaltlicher Schwerpunkt. Vielfältig interessierte Menschen mit sehr unterschiedlichen Perspektiven, Erfahrungen und Erwartungen werden diskutieren, modellieren und streiten. Sie werden neue Erkenntnisse finden, alte bestätigen oder verwerfen. Daten, das hat sich inzwischen herumgesprochen, sind mehr als irre Mengen von Einsen und Nullen. Und je weiter sich das Rad des technologischen und gesellschaftlichen Wandels dreht, desto weiter öffnen sich die Räume des Möglichen. Das wühlt die Tourismusbranche auf, bewegt die UNO zum Nach- oder Neudenken und rückt die Bildung erst recht mitten hinein ins Geschehen der kleinen und der grossen Welt.

Dabei geht es nicht vorab um Technik, Tools und Gadgets. Es geht um eine Haltung, wie sie zum Beispiel John Dewey 1916 mit Bezug aufs Lernen und Lehren beschrieben hat: “…enable an individual to make his own special contribution to a group interest, and to partake of its activities in such ways that social guidance shall be a matter of his own mental attitude, and not a mere authoritative dictation of his acts.” Von diesem mehr als hundertjährigen Postulat führt der Weg gradlinig zu Konzepten wie Student Voice oder Service Learning und weiter zum 4K-Modell. Das Bildungsverständnis, das solchem Denken und Handeln zugrunde liegt, ist lange vor der Erfindung von Transistor und Hypertext gekeimt. Im digitalen Wandel mit seinen gesellschaftlichen und technologischen Dimensionen kann es zur vollen Blüte reifen.

Dass vor lauter Freude über derlei Aussichten die Fragen zum Digitalen an sich nicht auf der Strecke bleiben dürfen, liegt auf der Hand. Und hier gewinnen neben offenkundigen Infrastrukturthemen und populären Verbotsdebatten die komplexeren und im wahren Sinn nachhaltig wirksamen Auseinandersetzungen auch im Bildungsbereich zunehmend an Bedeutung. So haben sich Ende August die Teilnehmenden im edu.Data.Lab von educa.ch einen Tag lang auf Experimente rund um Ethik, Recht und Sinn von Bildungsdaten eingelassen: Welche Datennutzungskultur wollen wir in der Bildung?

Denksport-Turniere zum Thema Daten spielen immer mehr neue Fragen als fertige Antworten in die Köpfe. Das war vor drei Monaten in Bern so und wird nächste Woche in Berlin, Basel und Luzern nicht anders sein.

Derweil bereitet der digitale Wandel der Bildung einen immer besser wahrnembaren Platz da, wo sie hingehört: mitten drin.

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Der Anstoss für diesen Blick in die kommende Woche war Rahel Tschopps Aufruf heute Morgen: “Macht mit und schreibt auf, was der digitale Wandel aus eurer heutigen Sicht bedeutet oder sein könnte”.

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